Die Küche ist der Raum in der Wohnung, in dem Essiggeruch am häufigsten auftaucht – und gleichzeitig der, in dem er am einfachsten zu erklären ist. Manchmal ist die Ursache offensichtlich: man hat Essig benutzt, und der Geruch ist noch da. Manchmal ist sie weniger klar: die Küche riecht sauer, obwohl man keinen Essig in Erinnerung hat.
Beides hat einen Grund, und beides lässt sich lösen.
Die offensichtlichen Quellen
Wer mit Essig oder Essigessenz die Arbeitsflächen, den Herd oder die Spüle gereinigt hat, darf einen Restgeruch erwarten. Das ist normal und kein Zeichen, dass etwas schiefgelaufen ist. Auf glatten Küchenoberflächen verdunstet die Essigsäure vergleichsweise schnell – mit einem gekippten Fenster meist innerhalb einer Stunde, mit echtem Durchzug noch schneller.
Was den Geruch verlängert: zu wenig Nachwischen. Essig auf der Arbeitsfläche liegen lassen und trocknen lassen bedeutet, dass die Säure konzentrierter wird, nicht weniger. Ein bis zwei Mal mit einem feuchten Tuch nachwischen und danach trocknen – das ist der wichtigste Schritt.
Auch der Dunstabzug kann eine Quelle sein, die man nicht sofort im Blick hat. Fettablagerungen im Filter, die über Zeit mit Rückständen aus dem Kochen (darunter auch essigsäurehaltige Dämpfe aus eingelegten oder fermentierten Lebensmitteln) gesättigt sind, können einen anhaltenden Geruch produzieren.
Wenn die Küche riecht, ohne dass Essig im Spiel war
Das passiert öfter als man denkt. Organische Zersetzungsprozesse in der Küche können stark nach Essig riechen – ohne dass Essig vorhanden ist.
Konkrete Quellen: der Mülleimer, besonders wenn Obst- oder Gemüseschalen eine Weile darin lagen und zu gären begonnen haben. Die Spüle oder der Abfluss, in dem sich organische Rückstände festgesetzt haben und zersetzen. Ein Kühlschrank, in dem ein Lebensmittel angefangen hat zu fermentieren. Reste von Essigdressing oder eingelegtem Gemüse, die an einem Topf oder Glas angetrocknet sind.
In der Küche lohnt sich deshalb immer ein kurzer Rundgang entlang aller möglichen Geruchsquellen, bevor man anfängt, zu neutralisieren.
Was in der Küche konkret hilft
Dunstabzug einschalten: Der einfachste erste Schritt. Der Dunstabzug ist dafür gebaut, Gerüche direkt an der Entstehungsquelle abzusaugen – er funktioniert nicht nur beim Kochen, sondern auch danach, wenn ein Geruch noch im Raum hängt.
Arbeitsflächen nachwischen: Mit klarem Wasser, ein- bis zweimal. Essig- oder Säurerückstände auf der Oberfläche binden sich ans Wasser und werden abgewischt.
Natron auf der Arbeitsfläche: Bei Gerüchen, die sich in die Oberfläche eingearbeitet haben – besonders bei Naturstein oder Holzarbeitsplatten – hilft Natron als Trockenmethode. Aufstreuen, kurz einwirken, abwischen.
Zitrone als Ergänzung: Eine halbierte Zitrone über die Arbeitsfläche reiben hinterlässt einen frischen Eigengeruch, der den Essiggeruch überlagert und selbst schnell verdunstet. Kein Wunder, aber ein angenehmer Nebeneffekt.
Lüften: In der Küche, die oft selbst wenige Fenster hat, hilft eine Kombination aus offenem Fenster und laufendem Dunstabzug am meisten.
Ein Punkt, der gern übersehen wird
Wer seinen Kühlschrank mit Essigessenz reinigt – was gegen Gerüche und Keime im Kühlschrank durchaus empfohlen wird – sollte danach die Innenflächen mehrfach mit klarem Wasser nachwischen und die Tür eine Weile offenlassen. Ein geschlossener Kühlschrank nach der Essig-Reinigung riecht beim nächsten Öffnen sehr intensiv, weil die Essigsäure keinen Weg nach draußen hatte.
Essiggeruch in der Küche ist fast immer lösbar und selten ein Zeichen für etwas Ernstes. Er ist der Küche als Raum schlicht eigen – weil hier mehr mit Essigsäure gearbeitet wird als anderswo, bewusst oder unbewusst.
