Polster sind beim Thema Gerüche eine besondere Herausforderung. Sie nehmen Gerüche schnell auf – und geben sie langsam wieder ab. Was auf einer Fliese in zehn Minuten verdunstet, steckt in einem Sofakissen noch Tage später. Das gilt für Essiggeruch genauso wie für andere Gerüche.
Wer den Essiggeruch im Polster loswerden möchte, braucht deshalb etwas mehr als nur Lüften.
Wie der Geruch in den Polster kommt
Meistens steckt eine gut gemeinte Reinigungsaktion dahinter. Essig oder Essigessenz auf Polstern eingesetzt, um Flecken zu entfernen oder den Geruch von Schweiß oder Haustieren zu neutralisieren. Das funktioniert oft sogar – der ursprüngliche Geruch ist weg. Aber an seiner Stelle sitzt jetzt Essig tief im Stoff.
Manchmal liegt die Ursache auch woanders: ein Glas mit Essigdressing ist umgekippt, Kleidung mit Essiggeruch wurde lange auf dem Sofa abgelegt, oder ein Reinigungsspray mit Essigsäureanteil wurde direkt auf den Bezug gesprüht.
Natron – die erste Wahl bei Polstern
Natron ist für Polster das richtige Mittel, weil es trocken arbeitet. Man muss das Material nicht befeuchten, riskiert keine Flecken durch zu viel Feuchtigkeit und schont den Stoff.
Vorgehen: Natron gleichmäßig und großzügig auf den betroffenen Bereich streuen. Nicht einreiben – einfach liegen lassen. Mindestens zwei bis drei Stunden, besser über Nacht. Das Natron zieht Geruchsmoleküle aus dem Stoff heraus. Danach gründlich absaugen, am besten mit einem Polsteraufsatz.
Bei hartnäckigem Geruch diesen Schritt zweimal wiederholen. Kein Wasser dazwischen – trocknen lassen und erst dann erneut Natron aufstreuen.
Lüften als Ergänzung, nicht als Ersatz
Frische Luft hilft, aber sie reicht bei eingedrungenen Polstergerüchen nicht als alleinige Maßnahme. Was hilft: das Kissen oder den abnehmbaren Bezug nach draußen tragen und bei gutem Wetter einige Stunden in der Luft hängen lassen. Sonne und Luftzug beschleunigen das Ausdünsten der Essigsäure merklich.
Wer einen abnehmbaren Bezug hat, kann ihn bei 40 oder 60 Grad waschen – je nach Pflegeetikett. Das ist oft die direkteste Lösung, weil der Geruch aus dem Stoff herausgewaschen wird statt nur aus ihm heraus zu dünsten.
Was man bei Polstern vermeiden sollte
Zu viel Feuchtigkeit. Das ist der häufigste Fehler. Wer ein nasses Tuch intensiv in den Polster reibt, treibt den Geruch tiefer und schafft gleichzeitig eine feuchte Umgebung, in der sich neue Gerüche bilden können – durch Bakterien, die sich in der Nässe vermehren.
Essig als Gegenmittel gegen Essiggeruch im Polster – das klingt wie ein Tipp aus dem Internet und führt fast immer zu mehr Geruch, nicht weniger.
Auch Raumduftsprays direkt auf den Polster sprühen hilft nicht. Der Geruch wird kurz überdeckt, sitzt aber danach als Mischung aus Essig und Duftspray im Stoff – was meist schlechter ist als vorher.
Wenn der Geruch tief sitzt
Bei sehr starkem oder sehr lang anhaltendem Essiggeruch in einem Polstermöbel, bei dem der Geruch schon tief in den Schaumstoffkern eingedrungen ist, helfen oberflächliche Methoden irgendwann nicht mehr. In solchen Fällen kann ein professioneller Polsterreiniger mit Tiefenreinigungsgeräten mehr ausrichten.
Wer eine Matratze mit ähnlichem Geruchsproblem hat, findet dort einen spezifischeren Blick auf das Thema – Matratzen brauchen aufgrund ihrer Dicke und Dichte eine leicht andere Herangehensweise als Sofapolster.
Geduld ist bei Polstern generell angebracht. Der Geruch geht meistens raus – er braucht nur etwas mehr Zeit als man sich erhofft.
